April 2026
NewsletterÜberblick:
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- Globale Zunahme: 2023 wurden weltweit rund 10,3 Millionen Maserninfektionen registriert (+20 % gegenüber 2022); 2022 verstarben 136.000 Menschen, überwiegend Kleinkinder.
- Impflücken: Nur 76 % der Kinder weltweit haben den empfohlenen Zweifachimpfplan abgeschlossen; mehr als 30 Millionen Kinder sind unzureichend geschützt.
- Situation in Österreich: 542 laborbestätigte Fälle (2024) und 152 Fälle (2025) — die höchste Inzidenz seit 25 Jahren; Österreich hat seinen Masern-Eliminationsstatus verloren.
- Hohe Übertragbarkeit: Sekundäranfallsraten von bis zu 90 % bei nicht immunen Personen; für Herdenimmunität ist eine Bevölkerungsimmunität von 95 % erforderlich.
- Impfschutz wirkt: Eine Dosis bietet ~93 % Schutz, zwei Dosen ~97 % — rechtzeitige Impfung und Nachholkampagnen sind entscheidend
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Das Masern-Virus, das in vielen Ländern mit hohem Einkommen bislang als weitgehend unter Kontrolle galt, ist wieder zu einem bedeutenden globalen Thema für die öffentliche Gesundheit geworden.
Jüngsten Berichten zufolge begegnen Ärzte in Europa und Nordamerika zunehmend Fällen, die in der Routinepraxis selten geworden waren. Nach Schätzungen der Welt-gesundheitsorganisation und der Centers for Disease Control and Prevention gab es 2022 weltweit etwa 9 Millionen Masernfälle und 136.000 damit verbundene Todesfälle, von denen vor allem Kleinkinder betroffen waren. Dieser Trend setzte sich 2023 fort, mit geschätzten 10,3 Millionen Infektionen, was einem Anstieg von 20 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Eine unzureichende Durchimpfungsrate bleibt der Hauptgrund für dieses Wiederauftreten. Im Jahr 2024 zeigen globale Impfdaten, dass nur 84 % der Kinder eine erste Dosis eines Masernimpfstoffs erhielten, während 76 % den empfohlenen Zweifachimpfplan absolvierten. Folglich sind mehr als 30 Millionen Kinder nach wie vor unzureichend geschützt, was zu einer weitverbreiteten Übertragung und dem Auftreten großer oder schwerwiegender Ausbrüche in mindestens 60 Ländern beiträgt. Analysen führen diese Immunitätslücken auf eine Kombination von Faktoren zurück, darunter Störungen der routinemäßigen Impfdienste während der COVID-19-Pandemie und zunehmende Impfskepsis.
In Österreich veranschaulicht die regionalen Folgen eine sinkenden Bevölkerungsimmunität. Überwachungsdaten der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (AGES) dokumentieren 542 laborbestätigte Fälle im Jahr 2024 und 152 Fälle im Jahr 2025, was die höchste Inzidenz der letzten 25 Jahre darstellt. Vor diesem Hintergrund hat Österreich seinen Masern-Eliminationstatus verloren, da eine anhaltende Übertragung über mehr als 12 Monate nicht mehr ausgeschlossen werden konnte, was auf anhaltende Immunitätslücken in der Bevölkerung hindeutet.
Masern zeichnen sich durch eine außergewöhnlich hohe Übertragbarkeit aus. Bei anfälligen Personen können die Sekundäranfallsraten bis zu 90 % erreichen. Trotzdem sind Masern eine durch Impfung vermeidbare Krankheit. Eine einzige Dosis eines Masernimpfstoffs bietet einen Schutz von etwa 93 %, der nach zwei Dosen auf etwa 97 % steigt. Um Herdenimmunität zu erreichen, ist eine Immunität der Bevölkerung von etwa 95 % erforderlich – ein Schwellenwert, der derzeit in Österreich und vielen anderen Ländern nicht erreicht wird.
Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, eine hohe Durchimpfungsrate aufrechtzuerhalten und bestehende Immunitätslücken durch rechtzeitige Routineimpfungen und gezielte Nachholkampagnen zu schließen.
Quellen:
https://www.nature.com/articles/d41586-026-00367-5
https://www.cdc.gov/media/releases/2023/p1116-global-measles.html
https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/measles
https://www.ages.at/en/human/disease/pathogens-from-a-to-z/measles
Zentrum für Virologie Wien – „VIRUSEPIDEMIOLOGISCHE INFORMATION“ NR. 02/26
Dr.med.univ. Habib Badreddine Benainouna
habib.benainouna@i-med.ac.at
+43 512 9003 71710



