Institut für Virologie Innsbruck wird erstes österreichisches Center of Excellence im Global Virus Network
Das Institut für Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck wurde als Center of Excellence in das Global Virus Network (GVN) aufgenommen. Es ist die erste Einrichtung in Österreich, die dem Netzwerk in dieser Funktion angehört. Das GVN ist ein internationaler Zusammenschluss von mehr als 90 Centers of Excellence und Affiliates in über 40 Ländern, der Forschung, Ausbildung und Vorsorge im Umgang mit viralen Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit stärkt.
Univ.-Prof. Dr. Gisa Gerold, Leiterin des Instituts, übernimmt die Funktion der Center Director für Innsbruck.
Was die Aufnahme bedeutet
Die Centers of Excellence bilden den Kern des GVN. Die Aufnahme richtet sich nach wenigen Kriterien: Das Zentrum wird von einer etablierten Persönlichkeit der medizinischen Virologie geleitet, es ist wissenschaftlich produktiv und verfügt über ausgewiesene Expertise in mehreren virologischen Bereichen, und es ist bereit, den Kapazitätsaufbau an Partnereinrichtungen zu unterstützen — insbesondere in Ländern mit begrenzten Ressourcen. Einrichtungen mit einem enger gefassten Arbeitsgebiet können dem Netzwerk als Affiliates beitreten und werden dabei von einem Center of Excellence begleitet.
Für Innsbruck bedeutet die Auszeichnung, dass die fünf Forschungsgruppen des Instituts, das assoziierte Wollmann Lab sowie die klinische Diagnostik dauerhaft in eine internationale Struktur eingebunden sind. Die Arbeit des Instituts umfasst neu auftretende Virus-Wirt-Interaktionen, virale Vektorimpfstoffe, Retroviren und angeborene Immunität, die Immunologie viraler Infektionen, die virale Immuntherapie von Krebs und die Epidemiologie — ergänzt durch die serologische und virologische Diagnostik für Tirol.
Konkret eröffnet die Mitgliedschaft mehrere Zugänge. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Karrierestufen können den Action Committees des GVN beitreten, den Arbeitsgruppen des Netzwerks zu Retroviren, Arboviren, respiratorischen Viren, Pockenviren, hämorrhagischen Fieberviren sowie zu Long COVID und weiteren infektionsassoziierten chronischen Erkrankungen. Diese Gremien tagen regelmäßig, um Forschungsergebnisse zu diskutieren, Ausbruchsgeschehen zu bewerten und gemeinsame Antworten abzustimmen. Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler erhalten Zugang zu den Ausbildungsformaten des GVN, darunter der Short Course in Translational Virology, die Webinar-Reihe und Stipendienprogramme. In akuten Ausbruchssituationen bietet das Netzwerk zudem einen Weg für den raschen fachlichen Austausch und eine abgestimmte Kommunikation nach außen.
Das Institut wird seine GVN-Zugehörigkeit künftig in Publikationen und wissenschaftlichen Präsentationen ausweisen.
Über das Global Virus Network
Das GVN wurde 2011 von Robert C. Gallo vom Institute of Human Virology der University of Maryland School of Medicine, William Hall vom University College Dublin und dem verstorbenen Reinhard Kurth vom Robert Koch-Institut gegründet. Der Anstoß dazu geht auf eine Beobachtung aus den frühen Jahren der AIDS-Epidemie zurück: Wenn ein neues Virus auftritt, existiert kein dauerhaft bestehendes internationales Gremium von Virologinnen und Virologen, das eine wissenschaftliche Antwort koordinieren könnte. Diese Lücke sollte das Netzwerk schließen.
Sein Auftrag ist die Pandemievorsorge für Viruserkrankungen, die die öffentliche Gesundheit bedrohen. Er stützt sich auf drei Säulen: die Stärkung der wissenschaftlichen Forschung, die Aus- und Weiterbildung der nächsten Generation von Virologinnen und Virologen sowie die Entwicklung globaler Gesundheitsstrategien gemeinsam mit nationalen und internationalen wissenschaftlichen und staatlichen Einrichtungen.
Das internationale Hauptquartier des Netzwerks befindet sich an der University of South Florida in Tampa, die 2024 als dauerhafter Standort ausgewählt wurde und das Hauptquartier im März 2026 offiziell eröffnete. Zu den europäischen Mitgliedern zählen unter anderem das Institut Pasteur in Paris, das Erasmus University Medical Center in Rotterdam, das Rega-Institut der KU Leuven, das Robert Koch-Institut in Berlin, das Institut für Virologie der Technischen Universität München, das Institut für Virologie in Marburg, das Karolinska-Institut, das MRC-University of Glasgow Centre for Virus Research und das University College Dublin.
Wie es weitergeht
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts, die einem Action Committee beitreten oder die wissenschaftlichen Aussendungen des GVN abonnieren möchten, wenden sich an das Institutssekretariat. Weitere Informationen zum Netzwerk finden sich unter gvn.org.



