EAVI-Projekt startet in Innsbruck: Europäische und afrikanische Partner lancieren neue Impfstoffinitiative gegen wiederauftretende Viruserkrankung

Anfang Juli kamen Partner aus ganz Europa und Afrika in Innsbruck zum offiziellen Kick-off-Meeting von EAVI – der European-African Vaccine Initiative – zusammen, einem neuen, fünfjährigen Projekt, das von Global Health EDCTP3 im Rahmen von Horizon Europe gefördert und von der Medizinischen Universität Innsbruck koordiniert wird. EAVI vereint acht Institutionen aus Österreich, Spanien, der Schweiz, Schweden, Frankreich, Tansania und Kenia mit einem gemeinsamen Ziel: dazu beizutragen, die anhaltende Lücke bei Impfstoffevidenz und -zugang für vernachlässigte Tropenkrankheiten in Subsahara-Afrika zu schließen.

Impfstoffforschung und Vorsorge für Afrika stärken

Impfstoffstudien gegen vernachlässigte und wiederauftretende Viruserkrankungen konzentrierten sich in der Vergangenheit häufig auf westliche Bevölkerungsgruppen. Dadurch bleiben Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten aus afrikanischen Bevölkerungsgruppen, die oft einen erheblichen Anteil der Krankheitslast tragen, begrenzt. Besonders knapp ist die Evidenzlage für vulnerable Gruppen, darunter Menschen, die mit HIV leben, sowie Personen mit weiteren Koinfektionen. Das EAVI-Konsortium will dazu beitragen, dies zu ändern.

Das Konsortium wird einen bereits in der EU, Kanada, Großbritannien und Brasilien zugelassenen, lebend-attenuierten Chikungunya-Virus (CHIKV)-Impfstoff in einer klinischen Phase-IIIb-Studie an Standorten in Kenia und Tansania untersuchen. Die Studie folgt einem zweiarmigen Design und schließt sowohl gesunde Erwachsene als auch Erwachsene mit HIV, die stabil antiretroviral behandelt werden, ein. Damit werden Sicherheit und Immunantwort des Impfstoffs erstmals bei afrikanischen Erwachsenen, einschließlich Menschen mit HIV, untersucht.

Das Projekt bietet zudem die seltene Gelegenheit, zentrale Wissenslücken zur Immunogenität des Impfstoffs zu schließen. Dazu setzt das Konsortium fortschrittliche immunologische Methoden ein, um T-Zell-vermittelte Immunität, durch Einzelzell-RNA-Sequenzierung identifizierte molekulare Signaturen im Zusammenhang mit der Impfung, Antikörper-Epitop-Mapping und weitere Immunprofilierungsansätze zu analysieren.

Das Studienteam wird zudem wichtige Lücken in den epidemiologischen Daten zu CHIKV schließen, indem es durch bevölkerungsbasierte Seroerhebungen repräsentative Daten zu Seroprävalenz, -inzidenz über einen Zeitraum von 18 Monaten sowie zur Stammvielfalt erhebt.

Die Ergebnisse sollen das Wissen über die durch den CHIKV-Impfstoff vermittelte Immunität erweitern und im besten Fall zu einer Zulassung des Impfstoffs in afrikanischen Ländern führen. Zudem sollen sie zur Klärung der Infektionskraft beitragen, klinische Studienendpunkte verfeinern und jene Bevölkerungsgruppen identifizieren, die am meisten von einer Impfung profitieren würden. Langfristig soll EAVI Strategien zur Verteilung von Impfstoffen unterstützen und die Vorsorge für Chikungunya-Ausbrüche verbessern.

Drei Tage Austausch in Innsbruck

Das Kick-off-Meeting in Innsbruck brachte drei Tage lang Partner aus Europa und Afrika zu wissenschaftlichem Austausch, Projektplanung und Konsortiumsbildung zusammen. Vertreter des Ifakara Health Institute, der EPFL, von Valneva Austria und der Medizinischen Universität Innsbruck nahmen persönlich teil, während Kolleginnen und Kollegen vom Kenya Medical Research Institute, vom Instituto de Salud Carlos III und von Pikado online teilnahmen. Im Fokus standen das Design der klinischen Studie, die Arbeitspakete, regulatorische und ethische Vorbereitungen, Disseminationsaktivitäten sowie das Projektmanagement.

Das Programm umfasste zudem eine Führung durch die Innsbrucker Diagnostik- und Laboreinrichtungen sowie Beiträge des Scientific Advisory Board von EAVI: Dr. Mkunde Chachage, National Institute for Medical Research Mbeya; Prof. Dr. Isabella Eckerle, Centre for Viral Emerging Diseases, Genf; und Prof. Dr. Florian Klein, Institut für Virologie, Köln.

Wie geht es weiter

Nach dem Kick-off-Meeting tritt das Konsortium nun in seine erste Projektphase ein. Diese umfasst vorbereitende Arbeiten an den Studienstandorten in Kenia und Tansania, die ethischen und regulatorischen Einreichungen beider Studienprotokolle – der Seroprävalenzstudie und der Impfstoffstudie – sowie den Beginn von Aktivitäten zur Einbindung der Gemeinden in den Studienregionen.

Über EAVI

EAVI, die European-African Vaccine Initiative, wird von Global Health EDCTP3 gefördert, der Horizon-Europe-Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und Subsahara-Afrika, unter der Fördervereinbarung 101249075. Das Projekt läuft von Mai 2026 bis April 2031 und verfügt über ein Gesamtbudget von rund 14 Millionen Euro.